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Gedichte


Museumseröffnung


Da strömen sie im Sonntagskleid
die Kunstinteressierten von nah und weit
und lauschen zunächst auch brav den Reden
die wichtige Menschen zum Besten geben.

Doch sind der Huldigungen viel zu viele
und auch die Erläuterungen der einzelnen Stile
gehen bald unter im Gemurmel der Leute
eine Dame zischt: Ruhe! Es prallt ab von der Meute.

Als der Künstler zum Schluss ganz unprätentiös
vom Zweck seiner Stiftung und vom Erlös
seiner Werke erzählt, hört kaum einer mehr hin.
Hätte er gleich gesprochen, hätte es mehr Sinn
gemacht, als die Beweihräucherungen anzuhören.
Wann erkennt man endlich, dass diese nur stören.

Also, ich werde mir bei Gelegenheit
alleine oder vielleicht auch zu zweit
alles in Ruhe  ansehn und auf mich wirken lassen;
ohne dass mich die "kunstinteressierten" Massen
ablenken. Sehen und gesehen werden, denke ich süffisant,
haben bei einem solchen Event letztlich die Oberhand.

© Ingrid Metz-Neun, April 2008


DIE ZEIT (oder SPÄTES GLÜCK)

Früher war die Zeit
Endlos weit
Heut vergeht sie wie im Flug
Ist die Zeit auch Lug und Trug??
Etwas, wie so Vieles auf der Welt
Das später sich als Lüge heraus stellt
Und platzen lässt so endlos viele Träume
Wie der Kahlschlag der Wälder und seiner Bäume?.

Wo bist du hin, du liebe Zeit,
wo ein Kuss noch Seligkeit
und Ewigkeit und Unvergänglichkeit bedeutet hat. -
Manchmal habe ich das Leben satt!

Manchmal ist es wunderschön.
Komm wir fahren in die Rhön
Und stecken unsre morschen Glieder
In Wanderschuhe und entdecken wieder
Zu zweit, die Zeit
und
Zweisamkeit, Bescheidenheit, Zufriedenheit.

© Ingrid Metz-Neun, Februar 2008


Das kleine Glück

Heute habe ich das Glück getroffen.
Es war sehr lieb und bescheiden.
Ich hatte es mir größer vorgestellt, imposanter.
Aber so wirkte es sehr viel interessanter
auf mich, die Prinzessin im roten Kleid,
mit blauen Augen und einem Herz so weit,
dass du Fangen damit spielen könntest.
Aber ich weiß, du spielst nicht.
Du machst zärtlich ein strenges Gesicht
und magst mich wie ich bin.
Da kommt mir Liebe in den Sinn.

© Ingrid Metz-Neun, Mai 2004